zeichnung von kindern auf tafel

Liebe Eltern, geht in die Lehre!

Interview mit Angelika Schlögl: Die Mutter aus Trieben hat sich mit ihrem Sohn beim Infoabend über Ausbildungen nach der Matura informiert. Ihr Aufruf an andere Eltern und Jugendliche: Holt euch so viele Informationen wie möglich!

Der „Klassiker“ nach der Matura ist nach wie vor das Studium. Zu Recht?

Angelika Schlögl: Leider haben viele ein falsches Bild von der Lehre. Da wäre es für Eltern und Jugendliche sehr wichtig, Informationen einzuholen. Als Mutter sehe ich meine Aufgabe darin, meinen Sohn dabei zu unterstützen, deshalb waren wir auch beim Infoabend im November 2017 in Liezen. Mein Sohn hatte davor kein Bild von der Arbeit in der Metalltechnik oder der Mechatronik, weil von uns in der Familie niemand in diesem Bereich arbeitet. Für eine Lehre nach der Matura hat sich aber auch meine Tochter entschieden und damit eine Ausbildung in der Heimat gefunden. Zum Studium muss man ja nach Graz, Linz oder Wien gehen.

Was war die Motivation für die Lehre nach der Matura?

Schlögl: Meine Tochter wollte zuerst ein Physiotherapie-Studium beginnen, hat dann aber gemerkt, dass sie mit einer Berufsausbildung besser für die Zukunft gerüstet ist und deshalb eine Lehre zur Industriekauffrau absolviert, parallel dazu eine Weiterbildung in der Lohnverrechnung gemacht und arbeitet heute noch in diesem Bereich. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie in Zukunft noch ein Studium beginnt.

Die alte Regel, erst Schule – dann Ausbildung, gilt längst nicht mehr …

Schlögl: Richtig. Man setzt seine verschiedenen Ausbildungen heute eher wie Puzzlestücke zusammen. Man profitiert von den Ausbildungen immer als Person, aber natürlich profitiert auch das Unternehmen.

Machen sich die Jugendlichen heute Ihrer Erfahrung nach viele Gedanken um die Zukunft bzw. die Zeit nach der Matura?

Schlögl: Ja. Die Jugendlichen wissen sehr wohl, dass nicht alles einfach ist und die Industrie 4.0 für die Arbeitskräfte eine Herausforderung sein kann. Mein Sohn, der nächstes Jahr sein Maturajahr startet, hat unlängst einen Artikel darüber geschrieben. Das hat mich hellhörig gemacht. Ich denke schon, dass die Jugendlichen wissen, dass die Matura heute nichts Besonderes mehr ist sondern eine Basis, auf die man aufbauen kann, um seine Ziele zu erreichen – denn gut ausgebildete Fachkräfte sind ein entscheidendes Kriterium für die Wirtschaft.

Hat ihr Sohn eigentlich schon Pläne für die Zeit nach der Matura?

Schlögl: Er wird noch einen Berufsorientierungstest machen. Und er will sich die Arbeit in der Technik im Rahmen von Schnuppertagen genauer ansehen, damit er ein besseres Bild bekommt. Die Entscheidung trifft er letzten Endes selbst, es geht ja um seinen Berufs- und Lebensweg. Man kann aber nur dann ganz klar Ja oder Nein zu etwas sagen, wenn man weiß, wofür bzw. wogegen man sich entscheidet. Und dazu muss man alle Optionen kennen.

 

Angelika Schlögl mit ihrem Sohn, der sich für eine Ausbildung als Technical Expert interessiert
Angelika Schlögl mit ihrem Sohn, der sich für eine Ausbildung als Technical Expert interessiert (Credit: Privat)

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