Nahezu in jedem Haushalt gibt es heute ein Fahrrad.
(Credit: Pixabay)

200 Jahre Fahrrad: Vom Holzrad bis zum vernetzten Fahrrad

Wer nach der Matura eine Ausbildung zum Technical Expert macht, findet Karrierechancen in vielen unterschiedlichen Branchen. Dazu zählt auch der Fahrzeugbau mit seinen Zulieferbetrieben, von denen es in der Steiermark eine große Zahl gibt. Ein Fahrzeug, von denen es in Österreich rund 6,5 Millionen Stück gibt, feiert 2016 seinen 200. Geburtstag: das Fahrrad.

Wer hat’s erfunden?
Die Schwaben! Nicht nur das Auto, auch das Fahrrad hat im Schwabenland seinen Ursprung. Anlass waren die Ernteausfälle in den Jahren 1816 bis 1817, die zu Hungersnöten und hohen Haferpreisen führten. Der Transport via Pferd (damals erste Wahl) wurde für viele zu teuer, eine Alternative war gefragt. Karl Freiherr von Drais hat erst eine Laufmaschine (Draisine) aus Holz gebaut, die allerdings 22 Kilogramm schwer und damit recht klobig war.

Eine Holz-Draisine aus der Zeit um 1820 (Credit: Gun Powder Ma/Wikipedia
Eine Holz-Draisine aus der Zeit um 1820
(Credit: Gun Powder Ma/Wikipedia

Und wie ging es dann weiter?
Das Laufrad war kein großer Erfolg und die Erfindung war bald wieder vergessen. Mehr als 40 Jahre dauerte es, bis in Paris der Wagenbauer Prierre Michaux das Velociped entwickelt hat und damit auf die Idee von Drais aufbaute. Michaux hat dazu einen Antrieb mit Tretkurbel und Pedalen erfunden und verwendete ein größeres Vorderrad. Um 1885 begann die Zeit der Hochräder.

Das Michaux-Rad (Vélocipède),  übertragen von Holdi Sig - Wilhelm Wolf, Fahrrad und Radfahrer, Leipzig, 1890
Das Michaux-Rad (Vélocipède),
übertragen von Holdi Sig – Wilhelm Wolf, Fahrrad und Radfahrer, Leipzig, 1890

Eine wackelige Angelegenheit, so ein Hochrad …
Ja, man musste ziemlich geschickt sein, um so ein Hochrad „schwankungsfrei“ lenken zu können. Massentauglich war das Fahrrad damals daher noch nicht. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es erstmals das Niederrad- bzw. das Sicherheitsrad mit einem trapezförmigen Diamantrahmen.

Endlich massentauglich
Zahlreiche Firmen begannen damit, das Fahrrad im großen Stil zu fertigen – und legten damit den Grundstein für die spätere Autoproduktion. Peugeot, Opel, Skoda oder Morris – sie alle haben erst Fahrräder produziert und sind dann auf Autos umgestiegen.

Und heute?
Mehr als 2 Milliarden Fahrräder sind weltweit im Einsatz, in Österreich wurden 2015 rund 400.000 Fahrräder verkauft, wobei die Vielfalt groß ist: Trekkingbike, Rennrad, Citybike, Mountainbike, BMX-Rad, …. Und rund 300.000 Fahrräder laufen bei uns bereits mit Elektromotor.

Nahezu in jedem Haushalt gibt es heute ein Fahrrad. (Credit: Pixabay)
Nahezu in jedem Haushalt gibt es heute ein Fahrrad.
(Credit: Pixabay)

Zu siebt auf einem Fahrrad
Neben den „Klassikern“ gibt es auch ConferenceBikes, bei dem bis zu 7 Personen wie an einem Tisch angeordnet sitzen können. Im Trend liegt derzeit der Cruiser, den es bereits in den 50er-Jahren gab: schwere Fahrräder mit großem Lenker im Harley-Stil. Wer sein Gleichgewicht trainieren will, kann sich für ein Einrad entscheiden. Und für Pendler praktisch ist das Falt- bzw. Klapprad.

Auf einem Conference-Bike haben 7 Personen Platz. (Credit: Frank C. Müller / Wikipedia)
Auf einem Conference-Bike haben 7 Personen Platz.
(Credit: Frank C. Müller / Wikipedia)

Vernetzte Fahrräder
Häuser, Autos, Verkehrsnetze, Produktionsstraßen – die Vernetzung kennt heute fast keine Grenzen mehr und macht auch vor dem Fahrrad nicht halt. Die Einkaufsgemeinschaft ZEG erwartet sich laut der Westdeutschen Zeitung schon im nächsten Jahr die Einführung eines „Connected Bike“. Dieses soll über gesteuertes Bremslicht, Sensoren, Navigationssysteme etc. verfügen. Digitale Diebstahlsicherungen gibt es bereits jetzt, etwa vom niederländsichen Hersteller Vanmoof.

Fahrrad-Navi made in Graz
Auch ein steirisches Unternehmen ist ganz vorne dabei, wenn es um moderne Technologien für Fahrräder geht: Bike Citizens bietet Städten, Unternehmen und Organisationen Softwarelösungen sowie Kommunikationskonzepte zur Förderung des Radverkehrs und schafft damit einen Anreiz für nachhaltige Mobilität. Unter anderem hat das Unternehmen eigene Navigationssysteme für Fahrradfahrer in mehr als 350 Städten in rund 30 Ländern entwickelt.

22.12.2016

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